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Gebrauchtes Haus als Alternative zum Neubau

gebrauchtes Haus mit Bruchsteinwand

Ein gebrauchtes Haus kann eine echte Alternative zu einem Neubau „auf der grünen Wiese“ sein. Gerade auf dem Land kommt es nicht selten vor, dass am Ortsrand ein Neubaugebiet entsteht, während im alten Ortskern Wohnungen oder Häuser einen neuen Eigentümer suchen oder sogar schon länger leer stehen. Ich habe hier ein paar Vor- und Nachteile zu gebrauchten Häusern im Vergleich zu Neubauten zusammengestellt:

 

Lage

Die Lage von gebrauchten Häusern ist meistens zentraler als ein Neubaugebiet am Ortsrand. Geschäfte, öffentlicher Nahverkehr und zentrale Einrichtungen sind dann leichter auch mal ohne Auto zu erreichen. In gewachsenen, älteren Ortschaften ist vielleicht noch ein Bach oder der Dorfplatz in der Nähe. Auch schöne alte Bäume wird man eher bei gebrauchten Häusern finden als auf Neubaugrundstücken.

 

Grundstück

Grundstücke von älteren Immobilien sind meistens deutlich grösser. In heutigen Neubaugebieten werden die Grundstücke meistens auf ein absolutes Minimum reduziert, um Erschliessungkosten zu sparen und letzlich das Bauland bestmöglich zu vermarkten. 3 Meter Abstandsgrün und nur 10 Meter tiefe Gärten sind leider eine Art Standard geworden für Einfamilienhäuser.

In den 1950er bis 1980er Jahren waren deutlich grössere Grundstücke ab 600 m2 Grundstücksgrösse und mehr üblich für freistehende Häuser. Bei Häusern mit Baujahr vor 1945 können die Grundstücke sehr unterschiedlich sein. Manchmal waren dort die Häuser mit einer kleinen Landwirtschaft verbunden und haben dadurch grosse Flächen. Manchmal sind die Häuser aber auch auf kleinstem Raum errichtet worden, weil die damaligen Bauherren einfach und sparsam bauen mussten.

 

Ökologie

Ein gebrauchtes Haus weiter zu nutzen, schont die natürlichen Ressourchen in mehrerlei Hinsicht. Ein Großteil der Baumaterialien kann weiter verwendet werden. Bemerkenswert ist auch, dass keine natürliche oder agrarisch genutzte Fläche in Bauland umgewandelt werden.

Neues Bauland dagegen muss neu erschlossen werden mit Strom, Wasser, Abwasser, Energie, Strassen, usw. – das verschlingt unbebaute, natürliche Flächen, enorme Resourcen und verbraucht eine Menge Energie.

„Im Jahr 2014 wurde täglich [in Deutschland] eine Fläche von 69 Hektar neu ausgewiesen – meist zulasten der Landwirtschaft und fruchtbarer Böden. Das entspricht etwa der Größe von ca. 100 Fußballfeldern.“ (Quelle: Umweltbundesamt).

Durch die meist zentralere Lage von gebrauchten Häusern kann man auch einige hundert Kilometer mit dem Auto im Jahr sparen. Die Wege sind kürzer und können besser mit dem Fahrrad oder zu Fuß erledigt werden.

 

Atmosphäre

Im besten Fall hat ein gebrauchtes Haus eine positive Ausstrahlung, die einen inspiriert für die Umsetzung der eigenen Träume. Eine schöne alte Holztür oder eine Terrasse aus altem Bruchsteinmauerwerk und ein schöner Baum – das kann schon ein starkes Kaufargument sein.

Allerdings wird es nicht immer gelingen, solche schönen Beispiele auch zu finden.

Nicht selten ist es umgekehrt: Der bisherige Eigentümer hat einen gruseligen Geschmack beim Innenausbau bewiesen. Dann ist es für Laien oft nicht ganz einfach, sich die Räume in neuem Flair nach eigenem Geschmack vorzustellen.

Das schöne bei gebrauchten Häusern ist, dass der „alte Muff“ und die Erinnerungen an den Vorbesitzer relativ schnell „entweichen.“ Sobald der alte Kram entrümpelt, die hässlichen Tapeten und Fliesen raus sind und der erste Baustaub in der Luft liegt, wird das alte Haus zum eigenen Haus.

 

Neue Haustechnik einbauen

Meine Erfahrung zeigt, dass das Thema Heizung und Energieerzeugung für Bauherren immer wichtiger wird. Gerade bei gebrauchten Immobilien muss das Thema Haustechnik von Anfang an mitbedacht werden. Individuelle Wünsche wie ein offener Kamin, Fußbodenheizung oder z.B. CO2-neutrale Energieerzeugung lassen sich nicht immer in einer gebrauchten Immobile realisieren oder sind mit grossem Aufwand verbunden. Das sollte durchdacht werden, bevor man die Kaufentscheidung trifft.

Hier ein Beispiel: Wer eine Fußbodenheizung einbauen möchte, muss die zulässigen Verkehrslasten der Decke, den alten Bodenaufbau, die Türhöhen, Innentreppen und die U-Werte der Fassaden überprüfen. Erst dann lässt sich überschlägig übermitteln, was eine Fußbodenheizung im Zusammenhang mit anderen erforderlichen Maßnahmen insgesamt kostet. Ein offener Kamin als Alternative kann ja auch ganz nett sein.

 

Gebrauchtes Haus sanieren und umbauen

Wichtig ist, dass man vor dem Kauf prüft, ob die Bausubstanz in Ordnung ist und die gebrauchte Immobilie auch geeignet ist für die geplanten Nutzungen.

Im Beitrag „Die grössten Fehler beim Hauskauf“ habe ich zusammengefasst, worauf Sie achten müssen.

Ein gebrauchtes Haus ist in den seltestens Fällen so optimal geschnitten und aufgeteilt, wie es ein neu geplantes Haus sein würde.

Dennoch gilt die goldene Regel, dass man die tragende Baukonstruktion möglichst in Ruhe lassen und nur punktuell verändern sollte. Sonst kann es sehr schnell sehr teuer werden. Ein gebrauchtes Haus kann dann in der Summe schnell teurer werden als ein vergleichbarer Neubau „auf der grünen Wiese“. Für Laien ist der bauliche und finanzielle Aufwand meistens schwer zu überschauen.

Wichtig ist auch, dass man die jeweiligen Stärken und Schwächen von Häusern aus den jeweiligen Entstehungszeiten versteht und damit geschickt umgeht. Dicke Außenwände von Altbauten vor 1945 sind energetisch und für das Raumklima fantastisch. Holzbalkendecken oder extrem dünne Betondecken aus den 1950er bis 1960er Jahre sind ungünstig für den Schallschutz und dadurch sehr hellhörig, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Deshalb ist es so wichtig, sich vor dem Immobilienkauf gut und ausführlich beraten zu lassen.

 

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9 Gedanken zu „Gebrauchtes Haus als Alternative zum Neubau

  1. Ich denke schon, dass sowas eine gute Alternative ist. Gibt ja Immobilien im Thurgau und eigentlich überall und wenn man daran auch noch was selbst macht, dann kann man sich da sehr wohl fühlen.

  2. Ein Bekannter hat sich für den Umbau einer bestehenden Immobilie entschieden. Ich würde den Neubau vorziehen, da ich sehe, worum er sich kümmern muss. Andererseits weiß er sicher besser wo Kabel verlegt sind, als der Neubaubesitzer.

    1. Hallo Emmi,
      das ist immer eine Einzelfallbetrachtung. Vor kurzem habe ich bei einer Hauskaufberatung geraten, ein 1970er Jahre Fertighaus bis auf die Bodenplatte abzureissen und ein neues Fertighaus darauf zu bauen. Da war jeder Cent für eine Sanierung eine Fehlinvestition. Eine Woche später habe ich eine Villa aus den 1960ern angeschaut, die kontinuierlich und fachmännisch instandgesetzt wurde. Das war eine klare Kaufempfehlung mit einem kleinen Budget für Modernisierungen. Deshalb sollte jedes gebrauchtes Haus genau analysiert werden, bevor man sich für den Kauf entscheidet.

  3. Wir suchen nach einem Haus mit Charakter und schauen uns deshalb immer wieder ältere Häuser an. Wir wissen natürlich, dass hier meist sehr kostenintensive Sanierungen erforderlich sind. Der Artikel zeigt, dass die Kosten durch viele Vorteile schnell aufgewogen werden und das Resultat ein echtes Traumhaus mit großem Grundstück sein kann. Vielen Dank für die bestärkenden Worte!

  4. Ich suche zurzeit nach Infos im Bereich Altbausanierung und bin auf Ihren Artikel gestoßen. Das alte Landhaus meiner Oma ist nicht in gutem Zustand, aber die Lage ist einfach toll und das Grundstück ist noch sehr wert. Ich bin jedoch ein Fan von Ökologie und es freut mich, wenn ich lese, dass Leute meine gleiche Idee teilen. Wie Sie sagen, ist es immer wert ein altes Haus zu sanieren, zumindest weil man so die natürlichen Ressourcen schont. Danke!

  5. Ein altes Haus zu kaufen scheint mir sehr nett zu sein, nicht nur wegen der Atmosphäre, sondern auch, weil ich ein echter Heimwerker bin und Häuser gerne saniere. Dennoch ist es in der Tat wichtig, den Zustand des Hauses im Vorfeld gründlich zu überprüfen. Ich werde die Baukonstruktion in Ruhe lassen. Vielen Dank!

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