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Welt steht still

Shutdown.

Stay at home.
Ja ich sitze alleine zu hause am Tisch und versuche meine Gedanken zu ordnen und den inneren Kompass wieder zu beruhigen.
Ja, ich befolge die Empfehlungen des RKI, halte Abstand zu anderem Menschen, erfülle die Hygienevorschriften. Im gleichen Haus befindet sich ein Mensch mit positivem covid-19 Test. Er ist mit seiner Mitbewohnerin in Quarantäne.
Ich habe mit ihm telefoniert. Es geht ihm gut, er ist nach Kopfschmerzen und Heiserkeit wieder beschwerdefrei. Ich soll mir keine Sorgen machen.
Er hat genug zu essen, trinken, sogar Klopapier! Auf dem Weg durchs Treppenhaus berühre ich keinen Handlauf, keinen Türgriff mit den Händen.

Welt vom Weltraum aus gesehen
Welt dreht sich natürlich immer noch 🙂

Shutdown

In Deutschland und in den meisten demokratischen Ländern werden Grundrechte massiv eingeschränkt. Die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Länder diskutiert in diesen Stunden über bundesweite Ausgangssperren.

Die Weltwirtschaft steuert in eine für ganze Branchen existenzielle Rezession, deren Folgen noch niemand überblicken kann. Eine Welle von Insolvenzen, Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit ist zu befürchten, deren Wucht noch niemand abschätzen kann. Die Grösse dieser Welle hängt maßgeblich davon ab, wie lange die politisch verfügten Einschränkungen des öffentlichen, privaten Lebens und die damit verbundenen wirtschaftlichen und betrieblichen Beschränkungen noch anhalten.

Die Politik versucht mit nahezu unbegrenzten Finanzhilfen – Kredite, keine Entschädigungen – gegenzusteuern. Das ist substanziell keine gute Nachricht für alle kleinen und mittleren Unternehmen, Gastronomen, Reiseveranstalter, Freiberufler, Künstler, usw., die über keine oder nur kleine Rücklagen verfügen. Selbst mit kostenlosen Krediten müssen sie über Jahre in Form von Tilgungen an den Staat die massiven bis vollständigen Umsatzeinbrüche dieser Wochen und Monate selbst aufbringen. Wer ist in der Lage, das zu leisten?
Lieferketten sind zusammengebrochen, die Bänder stehen still. Welche Unternehmen und Betriebe werden das überleben?
Die Zentralbanken fluten mit Geld die Märkte. Die Gefahr von Inflation steht im Raum.

Die Steuerausfälle werden massiv sein:
direkt auf drastisch einbrechende Umsätze und indirekt über Zurückhaltung bei Investitionen in allen Lebensbereichen. Bund, Länder und Kommunen werden hohe Schulden aufnehmen müssen, die unser gesamtes Gemeinwesen auf Jahre belasten werden. Gravierende Sparmaßnahmen und Einschränkungen sind absehbar. Wir reden hier über Bildung, Kultur, Gesundheitswesen (!), Pflege, Grundsicherung, Arbeitslosigkeit, Absinken der Kauf- und Investitionsbereitschaft.

Die politischen Auswirkungen dieses globalen Shutdowns sind noch nicht abzusehen. Die Glaubwürdigkeit der handelnden Regierungen ist eng verknüpft mit der Höhe der Schäden
durch die Pandemie selbst und der Kollateralschäden des Shutdowns respektive.

Angst ist ein schlechter Ratgeber

Die ganze Republik starrt auf die täglich (noch) steigenden Zahlen von Infizierten und Todesopfer in Folge von Atemwegserkrankungen. Diese Berichterstattungen, dazu die aufwühlenden Fernsehbilder von ca. 30 Särgen aus der am stärksten betroffenen Region in Italien verursachen enorme Angst weltweit. Die Information, dass in Italien nicht nur Todesfälle mit Todesursache covid-19 sondern auch Todesfälle mit anderen Todesursachen, die zusätzlich auch mit dem Corona-Virus infiziert sind, aktuell mitgezählt werden, geht unter (Tagesschau vom 21. März 2020). Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Dazu ist Italien in Europa trauriger Spitzenreiter in Sachen multiresistente Keime in Krankenhäusern. https://www.tagesschau.de/inland/antibiotika-keime-resistent-101.html

Im Gegenzug werden von seriösen Medien kritische Einschätzungen von international renommierten Fachleuten aus der Virologie marginalisiert und zum Teil diffamiert.

Die aktuell steigenden Zahlen zu covid-19 passen jedoch noch immer (Stand 21. März 2020) in die statistisch erfassten Auswirkungen von Atemwegserkrankungen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte. Ob dies so bleibt, ist ergebnisoffen.
Auch in den schweren Grippe Saisons mit 20.000 bis 30.000 Toten in Deutschland und ca. 1,5 Mio Toten weltweit gab es Phasen mit täglich stark steigenden Fallzahlen, die dann einen Peak erreichten und danach wieder abflachten. Allerdings waren das seinerzeit Nachrichten, die kaum Beachtung fanden.

Selbst wenn Covid-19 die bisherigen Zahlen übertrifft und eine hohe Mortalitätsrate eintreten sollte, stellt sich die Frage, ob der aktuell massive Shutdown angemessen ist. Das ist eine schwere, ethische Frage, auf die die politischen Entscheider anscheinend nicht vorbereitet sind – trotz nationaler Pandemiepläne.

Wenn es belastbare Zahlen gäbe, könnte die Politik nachvollziehbar entscheiden.
Wir haben keine belastbaren, aussagekräftigen Zahlen aufgrund methodischer Mängel.

offene Fragen

Warum werden die täglichen Zahlen nicht ins Verhältnis gesetzt mit gesicherten Statistiken und Zahlen der vergangenen Jahre? Statistiken über Tote infolge von Atemwegserkrankungen gibt es kontinuierlich seit den 1990 Jahren. Die Daten liegen vor.

Wo sind die professionellen Mathematiker und Statistiker, die die aktuellen Zahlen in Relation mit den vergangenen Jahren setzen und die mathematischen Zusammenhänge einfach und verständlich erklären, so dass die Bevölkerung und die Politik dies verstehen und einordnen können?

Es gibt unbestrittene Fakten:

Der Corona-Virus breitet sich sehr schnell aus aufgrund der langen Inkubationszeit von 2 bis 14 Tagen.

Covid-19 ist im Vergleich mit anderen Virenerkrankungen relativ ungefährlich
Es bedroht über Atemwegserkrankungen bis auf wenige Ausnahmen Menschen mit einem schwachen Immunsystem, alte und vorgeschädigte Menschen. DIe Mortalitätsrate soll laut RKI „bis zu 10 Mal höher“ als bei Influenza (0,1 bis 0,2%) liegen.
Zum Vergleich: Ebola Viren haben eine Mortalitätsrate von 25% bis 90% und Ebola trifft alle Altersgruppen ohne Vorerkrankungen.

Der Verlauf von covid-19 ist für die grosse Mehrheit der Bevölkerung mild.

Wesentliche Faktoren sind unklar:

  • Die Mortalitätsrate von covid-19 in Bezug auf die Gesamtbevölkerung.
  • Die Ansteckungsrate von covid-19 in Bezug auf die Gesamtbevölkerung.
  • Die tagesaktuellen Gesamtzahlen der Infizierten und deren Anteil an der Gesamtbevölkerung.

Methodische Unklarheiten:

Wahlbefragungen basieren auf repräsentativen Umfragen von einer relativ kleinen Anzahl von Wahlberechtigten. Die Anforderungen an die Auswahl dieser Befragten sind sehr präzise, um einen repräsentativen Querschnitt der Wahlberechtigten auszuwählen. Das Verfahren ist allen Verantwortlichen seit Jahrzehnten vertraut. Die Ergebnisse von Umfragen ab 1.000 Personen sind sehr genau. Sie werden regelmäßig für politische Entscheidungen herangezogen.

Warum werden aktuell keine repräsentativen Tests auf Covid-19 durchgeführt?

Aktuell werden nur Tests auf covid-19 durchgeführt, wenn eine medizinische Indikation vorliegt, also wenn sich die Betroffenen krank fühlen oder bereits erkrankt sind. Getestet wird, wer sich bereits schlecht fühlt bzw. erkrankt ist.

Übertragen auf Wahlumfragen würde dies bedeuten, die Umfragen würden z.B. im räumlichen Umfeld von Jobcentern gemacht. Jedem wäre sofort klar, dass die Umfragen nicht repräsentativ und damit ohne Aussagekraft wären.

Die Mortalitätsraten im Verhältnis zu den aktuellen Zahlen der getesteten Infizierten mit covid-19 in den Medien, sogar auf der Seite des statistischen Bundesamtes (!) sind nicht aussagekräftig.

Würden kontinuierliche repräsentative Tests vorliegen, könnte täglich

  • die aktuelle Infektionsrate
  • die Rate der Erkrankungen mit den jeweiligen Verläufen
  • die Mortalitätsrate

ermittelt werden.

Erst dann hätten die Entscheidungsträger belastbare Zahlen, um

  • die Wirksamkeit der aktuellen Zwangsmaßnahmen
  • die zu erwartenden Opfer insgesamt

abschätzen zu können.

Es ist doch vollkommen klar, dass die Zahl der Corona Infizierten deutlich höher liegt, als die aktuellen Testergebnisse im Umfeld der Krankenhäuser und Arztpraxen. Allein schon wegen der langen Inkubationszeit bis zum Auftreten erster Symptome.
Auf jeden positiv getesteten Menschen kommen durch Kontakte innerhalb von Haushalten und weiteren Übertragungen auf dem Weg zur Arbeit, Einkaufen, etc. eine grosse Anzahl von Menschen, die längst infiziert sind, aber ihre zum Glück milde Erkrankung noch gar nicht bemerken können. Dies ist die Dunkelziffer der Infizierten.

Diese deutlich höhere Dunkelziffer der Infizierten muss mit den aktuellen Todesfällen und schwer erkrankten in Relation gesetzt werden.

Je höher die Dunkelziffer an Infizierten, umso besser! Ja umso besser! Ich appelliere an die mathematische Grundausbildung. Das versteht jeder, der die 6. Klasse in Mathe geschafft hat:

Je höher die Gesamtzahl der Infizierten am Tag X ist, um so geringer ist die Mortalitätsrate am Tag X.

Je geringer die Mortalitätsrate des covid-19 insgesamt, um so ungefährlicher die covid-19-Pandemie.

Am Ende werden die Toten gezählt. Es wird darüber geprüft werden, ob die politischen Maßnahmen notwendig sind bzw. waren. Daran werden die Politik und die beratenden Fachleute gemessen.

Das Problem ist, dass wir diese Gesamtzahl der Infizierten nicht haben, weil keine repräsentativen Zahlen vorliegen. Methodisch wäre das leicht zu erreichen, analog zu den Wahlumfragen.

Die Entscheidungsträger haben keine klar formulierten Ziele

Das einzige, was aktuell ein Ziel zu sein scheint, ist das Abflachen der Kurve „flatten the curve“. Durch ein Hinauszögern der Ausbreitung des Coronavirus soll das Gesundheitssystem handlungsfähig bleiben, um den zu erwartenden Andrang von schweren Atemwegserkrankungen behandeln zu können.

Dies ist ein kurzfristiges und zunächst sehr nachvollziehbares Ziel, für das wir alle aktuell unsere Einschränkungen hinnehmen.


Allein rechtfertigt dieses kurzfristige Ziel aber keinen Shutdown im aktuellen Format.
Der Shutdown wird absehbar die Gesundheitssysteme weltweit über Jahre schwächen.
Niemand schätzt bisher in den Medien diese Folgen professionell ab.

Der nationale Pandemieplan von 2017 formuliert nur sehr allgemeine Ziele:
Reduktion der Morbidität und Mortalität in der Gesamtbevölkerung, Sicherstellung der Versorgung erkrankter Personen, Aufrechterhaltung essentieller, öffentlicher Dienstleistungen sowie zuverlässige und zeitnahe Information für politische Entscheidungsträger, Fachpersonal, die Öffentlichkeit und die Medien.

Es fehlen konkrete Ziele und Eskalationsstufen, die operativ anvisiert und in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden können. Das steht in jedem Fachbuch über Risikomanagement.

Ein nachvollziehbares Ziel wäre zum Beispiel, die Zahl der unmittelbaren Todesfälle infolge einer Pandemie auf eine bestimmte Zahl zu beschränken.

Ein weiteres Ziel müsste sein, die Kollateralschäden durch die Folgen eines Shutdowns auf ein bestimmtes Maß zu beschränken. Machen wir uns nichts vor. Der Shutdown produziert neben den wirtschaftlichen Auswirkungen auch gesundheitliche Auswirkungen auf die Bevölkerung, die man in Erkrankungen und verkürzter Lebenserwartung oder direkter Todesfälle messen kann. Zum Beispiel haben Hartz IV Empfänger nachweislich eine kürzerer Lebenserwartung. Ihre Kinder haben schlechtere Bildungschancen, usw.

Die unmittelbare Schäden der Pandemie müssen mit den mittel- und langfristigen Schäden ins Verhältnis gesetzt werden. Wenn man keine genauen Daten hat, dass muss man eben mit den aktuellen Schätzungen verschiedene Szenarien ausarbeiten. Worst-Case, Best-Case, Berücksichtigungen von Wahrscheinlichkeiten, Rückgriff auf Daten bisheriger Pandemien:
das volle Programm. Ist da jemand an der Arbeit?
Mathematiker, Statistiker weltweit: Wo seid Ihr? Was macht ihr gerade?
Es sind zumindest in der Medienöffentlichkeit keine koordinierten Maßnahmen erkennbar.

Ein verantwortungsloser Zustand. Anscheinend wurde nichts aus früheren Pandemien gelernt, wie zum Beispiel aus der Schweinegrippe von 2009/2010.

Flatten the Curve – Weltwirtschaft

Das Bild der Abflachung der Kurve muss auf die Wirtschaft angewendet werden.

Welche Maßnahmen eines Shutdowns können eine Volkswirtschaft, der Aktienmarkt, die Renten, Pensionen und viele andere Bereiche bzw. ein Betrieb verkraften?
Wie lässt sich in Bezug auf die Volkswirtschaft die Kurve abflachen?

Wie gross sind die Schäden in €, Zahl der zusätzlichen Erkrankungen und Toten infolge des Shutdowns?

  • weltweit
  • in Entwicklungsländern
  • in Diktaturen
  • in der EU
  • in Deutschland
  • im eigenen Betrieb
  • in der eigenen Haushaltskasse

Fachleute aus Wirtschaftswissenschaften haben Daten aus der Vergangenheit. 9/11, Lehman-Pleite, Börsencrashs der vergangenen Jahrzehnte, Weltwirtschaftskrise 1929.

Die zu erwartenden Kollateralschäden müssen vor einem radikalen Shutdown mit den unmittelbaren, zumindest abschätzbaren Schäden aus covid-19 Atemwegserkrankungen ins Verhältnis gesetzt werden.

Was mir viel mehr Angst macht

Corona könnte zum Totschlagargument werden für politische und wirtschaftliche Entscheidungen in den nächsten Jahren.

Diktatoren fällt ein unangreifbares Argument zur Absicherung ihrer Herrschaft in den Schoss – leichter können sie es nicht bekommen. Hier sterben Menschen aufgrund massiver Verletzung von Menschenrechten, Willkür, usw. Flüchtlinge sind eine weitere Folge.

Wegen der Corona-Krise werden auch in der EU und in Deutschland aufgrund von Neuverschuldungen Budgets gekürzt und wichtige Pfeiler unseres Gemeinwesens auf Sparkurs gesetzt werden.

Es ist nicht auszudenken, wenn die aktuellen Maßnahmen der Politik auf Fehleinschätzungen, methodischen Mängeln in den Pandemieplänen und Fehler in der Kommunikation nach aussen in die Öffentlichkeit beruhen sollte. Wer würde dann politisch profitieren?

in Relation setzen

Selbst wenn die Zahl der Todesopfer (Alte und ohnehin schwer Erkrankte) durch covid-19 insgesamt in Deutschland in Richtung 100.000 gehen sollte, stellt sich die Frage, ob das Ausmaß des aktuellen politischen Shutdowns angemessen sind.

Hier ein paar Zahlen zum Nachdenken, Quelle ist das Bundesgesundheitsministerium, oder die jeweilige Quellenangabe.

  • Rauchen: 120.000 Tote pro Jahr (Deutschland)
  • Alkohol: 74.000 Tote pro Jahr (Deutschland)

Ein vollständiges Verbot von Tabakprodukten oder Alkohol wäre zum Beispiel leichter zu haben – wenn es eine demokratische Gesellschaft und ihre gewählte Regierung tatsächlich wollen würde und sich um jeden einzelnen Toten in Deutschland so sorgen würden, wie aktuell in den Medien.

Für zukünftige Pandemien könnte die Zahl der erforderlichen Intensivplätze für im Vergleich kleinem Geld für Pandemien richtig aufgestockt und im Katastrophenschutz vorgehalten werden.

Markus Kilian, Architekt, Köln

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